Vortrag

Grenzgängerinnen zwischen Kunst und Wissenschaft

Von Silvy Chakkalakal
10.11.2015

Das filmkünstlerische Werk von Maya Deren, insbesondere das Haiti-Material, empfing starke Impulse durch ein kulturanthropologisches Milieu, das sich nach dem Ersten Weltkrieg in New York herausgebildet hatte. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler dieses Kreises, wie Margaret Mead, Gregory Bateson, Ruth Benedict und andere, experimentierten mit den unterschiedlichsten Medien und Materialien, und kannten wenig Berührungsängste mit den Künsten. Mead drehte Filme, komponierte Fotostudien, kuratierte Ausstellungen, schrieb aber auch Gedichte.

In ihrem Vortrag anlässlich der Ausstellung Die Haitian Rushes von Maya Deren skizziert Silvy Chakkalakal dieses kulturanthroplogische Milieu in seinem Verhältnis zur Harlem Renaissance, zur Bohème des Greenwich Village und zu Künstlerkolonien wie dem Bali-Zirkel. Dabei gilt Chakkalakals Aufmerksamkeit den kulturellen Gegenentwürfen, welche die Wissenschaftlerinnen an den Orten ihrer Feldforschung ersannen. Die „fremde Kultur“ als Sehnsuchtsort, als andere Realität und als Kontrastfolie entwickelte sich zu einem durchgehenden Motiv in den gesellschaftlichen Debatten um die US-amerikanischen Gesellschaft.

 

Dr. Silvy Chakkalakal ist wissenschaftliche Assistentin am Seminar für Kulturwissenschaft und Europäische Ethnologie der Universität Basel und betreibt kulturanthropologische Forschungen an der Schnittstelle zwischen den Künsten und der Wissenschaft.