Ausstellung

Ein Schiff wird nicht kommen

14.11.2019 bis 5.5.2020

Die Schweiz ist eine Seefahrernation und auf den Weltmeeren zuhause. Soviel belegen Filmaufnahmen, die in den 50er und 60er Jahren auf den Fahrten der „MS Basilea“ entstanden. Neben Gischt, Wolken und Wellentälern, neben Ladung wie Kaffee, Kakao oder einer Herde Wasserbüffel, dokumentieren die Bilder auch seltsame Begebenheiten an Land: Da steigt in Massawa (Eritrea) ein alternder Kaiser von einem russischen Kriegsschiff. Oder die schweizerische Crew erlebt im kulturrevolutionären China eine Parade, auf welcher der staunenden Menge Flugzeuge und Eisenbahnzüge (einstweilen) aus Pappe vorgeführt werden.

 

Das Filmdokument der „MS Basilea“ gibt uns Anlass zu fragen: nach Geschichten, die Schiffe schreiben. Dabei denken wir weniger an medial ausgeschlachtete Epen à la „Titanic“. Vielmehr gilt unser Interesse den kleinen Geschichten, den eher unscheinbaren Begebenheiten, die aber den Blick auf das grosse Ganze freigeben: auf die postkoloniale Kämpfe des afrikanischen Kontinents zu Zeiten des Kalten Krieges oder, im Falle Chinas, die zarten Anfänge der Weltmacht von morgen.

 

Gerahmt wird das Filmmaterial der „MS Basilea“ von künstlerischen Arbeiten. Sie erzählen vom Leben und Sterben auf dem Flüchtlingsschiff oder vom Versuch, das Gemälde „Floss der Medusa“ (1819) von Théodore Géricault mit zeitgenössischen Mitteln ins Bild zu setzen. Sie erzählen von der bedrückenden Einsamkeit auf einem modernen Containerschiff, von Winden und Meeresströmungen im Atlantik als klimatischer Bedingung des Sklavenhandels sowie vom Schiffsfriedhof in Gadani (Pakistan), wo die gewaltigen Stahlgefässe in ihre Einzelteile zerlegt und dem globalen Warenkreislauf wieder zugeführt werden.

 

Mit Arbeiten von Dias & Riedweg, Eza Komla, Hira Nabi, Dierk Schmidt, Allan Sekula und Adnan Softić. Die Anregung zur Sichtung der „MS Basilea“-Filme kam von Damian Christinger. Die kuratorische Betreuung lag bei Bettina Schuler (JJM) und Adnan Softić.

 

Titelbild: Werkdetail von Dierk Schmidt, Skizze zu SIEV-X, 2000. Mit freundlicher Genehmigung des Künstlers.

Veranstaltungsprogramm

  • 14.11.2019
    19:00 Uhr
    Ausstellungseröffnung
  • 14.11.2019 bis 5.5.2020
    Ausstellung
    Das Filmdokument der „MS Basilea“ gibt uns Anlass zu fragen: nach Geschichten, die Schiffe schreiben. "Ein Schiff wird nicht kommen" widmet sich den kleinen Geschichten und eher unscheinbaren Begebenheiten, die jedoch den Blick auf das Ganze freigeben.
  • 24.11.2019 15:00 Uhr
    Künstlergespräch
    Mit Eza Komla, Dierk Schmidt, Adnan Softić, Sophia Prinz und Roger M. Buergel
    Künstlergespräch über Annäherungen an die historische Wahrheit (DE)
  • 12.1.2020 15:00 Uhr
    Themennachmittag
    Mit Mamadou Diallo und Roger M. Buergel
    Ein Gespräch über koloniale und postkoloniale Realitäten im heutigen Afrika. (FR / DE)
  • 2.2.2020 15:00 Uhr
    Themennachmittag
    Mit Bettina Schuler und Roger M. Buergel
    Über die Gründe, warum das gute Kino Einzug ins Museum gehalten hat. (DE)
  • 3.3.2020 18:30 Uhr
    Themenabend
    Mit Lea Haller
    Ein Gespräch über Welthandelsfirmen, Geldflüsse und das Selbstbild der Nation. (DE)
  • 10.3.2020 18:30 Uhr
    Themenabend
    Mit Hannah Baader, Armin Linke und Roger M. Buergel
    Spurensuche auf dem Meeresboden, Ökologie und die Grenzen internaionalen Rechts. (DE)
  • 29.3.2020 15:00 Uhr
    Künstlergespräch
    Mit Hira Nabi
    Über die dramatischen Aspekte der Demontage von Ozeanriesen in Gadani (Pakistan). (EN)
  • 5.4.2020 15:00 Uhr
  • 26.4.2020 15:00 Uhr
    Künstlergespräch
    Mit Mauricio Dias, Walter Riedweg und Roger M. Buergel
    Über improvisierte Formen der Zusammenarbeit mit Jugendlichen und anderen (eher schwierigen) Akteur_innen. (DE)
  • 5.5.2020 18:30 Uhr
    Themenabend
    Mit Damian Christinger
    Damian Christinger präsentiert seine Lesart der Fahrten der „MS Basilea“. (DE)
  • Die Teilnahme an den Veranstaltungen ist im regulären Eintrittspreis inbegriffen wenn nicht anders angegeben.