Johann Jacobs Museum
Seefeldquai 17
8034 Zürich
Dienstag 16-22h, Samstag/Sonntag 11-17h
Eintritt Sfr. 7. - ab 26 Jahre
+41 (0) 44 388 61 90
office@johannjacobs.com

Heilige Ware

Die Chinesen kennen seit langer Zeit den Brauch, den Vorfahren im Jenseits Geld und Gebrauchswerte zu übergeben. Vollzogen wird die Übergabe, indem man diese Objekte in Flammen und Rauch aufgehen lässt. Dabei werden nicht wirkliche Dinge verbrannt, sondern getreue Nachbildungen aus Papier (Zhizha). Heute werden in China und der chinesischen Diaspora bevorzugt papierene Imitationen von Gucci-Schuhen, Rolex-Uhren und iPhones dem Feueropfer übergeben – westliche Konsumgüter also, deren Status universelle Geltung erlangt zu haben scheint. (Dass der Kult der Marke einen geschichtlichen Höhepunkt in der Wahl eines brand name zum Präsidenten der USA erreicht hat, sei im Vorbeigehen erwähnt).

Warum verbrennen Chinesen Geld? 9. Mai 2017, 19 Uhr

Vortrag von Dr. Petra Martin, Kustodin der Südostasien-Sammlungen am
Museum für Völkerkunde Dresden

Das chinesische Feueropfer und der Kult des globalisierten Konsums. 28. Februar - 14. Mai 2017

Ausstellung von Wolfgang Scheppe

Der Philosoph und Ausstellungsmacher Wolfgang Scheppe zeigt im Johann Jacobs Museum ab Ende Februar eine breite Auswahl eleganter Damenschuhe ikonischer Marken aus Papier, die einer Privatsammlung in Hongkong entstammen und ihre Entwicklung über mehrere Jahrzehnte dokumentieren. Einige Wochen lang verwandelt sich das Museum in ein Schuhgeschäft für die Geister der Verstorbenen. Aber auch den Lebenden gilt Scheppes Interesse. „Heilige Ware“ widmet sich dem globalisierten Traum der westlichen Mittelschicht: der quasi-religiösen Phantasie einer Teilhabe an einem Sinnganzen durch den Konsum bestimmter, eben zur Namhaftigkeit von „Marken“ gesteigerter Güter.

Als historischen Bezugspunkt zu den zeitgenössischen Schuhmodellen zeigt das Johann Jacobs Museum einen papiernen Schuh, der auf das Jahr 418 datiert. Dieser Schuh, das älteste bekannte Objekt seiner Art, stammt aus einem Fundort bei Turpan und lagerte über Jahrzehnte im Institut der Geschichte der Wissenschaften in Beijing, bevor er in den Wirren der chinesischen Kulturrevolution verlorenging.

Wolfgang Scheppe ist der Autor von „Migropolis“, einem weitgespannten Standardwerk zur Stadt unter den Bedingungen des globalen Warenverkehrs, und kuratierte zuletzt die vielbeachtete Reihe der „Propositionen“ in den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden („Die Dinge des Lebens / Das Leben der Dinge“; „Die Logik des Regens“; „Supermarket of the Dead“; und „Die Vermessung des Unmenschen“, 2013-2016), an die diese aktuelle Ausstellung anschliesst.