Johann Jacobs Museum
Seefeldquai 17
8034 Zürich
Dienstag 16-22h, Samstag/Sonntag 11-17h
Eintritt Sfr. 7. - ab 26 Jahre
+41 (0) 44 388 61 90
office@johannjacobs.com

Geschichte und Gegenwart der globalen Handelswege

Der Gegenstandsbereich des Museums sind jene kulturellen Mischformen, die auf den Haupt- und Nebenwegen des globalen Handels mal absichtlich, mal unabsichtlich entstehen. Zu diesen Mischformen können sublime Kunstwerke ebenso gehören wie alltägliche Gebrauchsgegenstände oder gesellschaftliche Praktiken, so etwa chinesisches Exportporzellan des 17. Jahrhunderts, auf dem holländische Windmühlen als Blumen interpretiert werden; westafrikanische Moscheen, deren Fassaden die Formen-sprache des portugiesischen Barock zieren; oder das Protestantentum, das im 19. Jahrhundert Schweizer Auswanderer nach Brasilien eingeführt haben. All diese Mischformen weisen ebenso auf ungeschriebene Kapitel der transnationalen Kunstgeschichte hin wie auf Fragen der postkolonialen Geschichte, Soziologie und Anthropologie.

Mit der Architektin und Designerin Lina Bo Bardi (1914-1992) sowie der Tänzerin, Filmemacherin und Anthropologin Maya Deren (1917-1961) standen zwei Schlüsselfiguren der westlichen Moderne im Vordergrund der ersten Aktivitäten des Museums.
Beide Frauen hatten ihre Heimatländer aus jeweils unterschiedlichen Gründen verlassen und die Schwelle zu einer Kultur überschritten, deren Regeln sie nicht kannten: Die Italienerin Bo Bardi wanderte 1947 nach Brasilien aus; die Russin Deren war im Kindesalter in die USA migriert und ließ sich auf Forschungsreisen nach Haiti in den 1950er Jahren als Vodoo-Priesterin initiieren. Beide Frauen nutzten die radikale Fremdheitserfahrung,  um den modernistischen Kanon zu transformieren und künstlerisches Neuland zu betreten.



Maya Deren


Seinem mäandernden, zweideutigen Gegenstandsbereich gemäß folgt das Johann Jacobs Museum einer offenen Programmierung. Die Ausstellungen sind keine starren Konstellationen von Objekten, sondern dynamische, improvisierte Displays, die sich mit der Zeit verändern. Dabei werden Themenstränge angespielt und vertieft, vor allem aber werden die Gegenstände aus verschiedenen, künstlerischen wie wissenschaftlichen Perspektiven beleuchtet.
Erarbeitet werden diese Ausstellungsserien nicht top-down, sondern in Kollaboration mit verschiedenen Gruppen, die ihre eigenen Erfahrungen und Interessen in diesen Prozess hineintragen. Das können Jugendliche sein, die wissen möchten, woher die seltenen Erden in ihrem Smartphone stammen; Ältere, die merken, dass ihr klassischer europäischer Bildungsschatz hin und wieder an seine Grenzen stößt; oder Ein- und Auswanderer, die freiwillig oder unfreiwillig die globalen Handelswege beschritten haben.