Johann Jacobs Museum
Seefeldquai 17
8008 Zürich
Dienstag 16-22h, Samstag/Sonntag 11-17h
Eintritt Sfr. 7. - ab 26 Jahre
+41 (0) 44 388 61 90
office@johannjacobs.com

Kaffee aus Helvécia

Afrikanisches Brasilien, St. Galler Stickerei und eine modernistische Utopie

29. August 2017 – 28. Januar 2018

Ausstellung

Eine der grössten Kaffeeplantagen des 19. Jahrhunderts, gelegen im brasilianischen Nordosten, war fest in schweizerischer Hand. Was genau sich dort zutrug, ist aber weitgehend unbekannt. Der heutige Zustand von Helvécia jedenfalls gibt kaum Aufschluss über die freiwilligen und unfreiwilligen Arbeits- und Lebensformen, die sich damals zwischen den europäischen Einwanderern und afrikanischen Sklaven sowie deren freien Nachkommen entwickelt haben. Gut ein Jahrhundert später wird eine andere Kaffeeplantage Schauplatz eines gesellschaftlichen Experiments; der brasilianische Architekt und Schriftsteller Flávio de Carvalho (1899-1973) begründet auf der Fazenda Capuava Ende der 1930er Jahre eine unabhängige Republik für «nackte Menschen» (d.h. für Menschen, die es ablehnen nach sozialer oder ethnischer Zugehörigkeit, Nationalität, Geschlecht usw. kategorisiert zu werden).

Formen von Gemeinschaft, die sich aus Migrationsschicksalen, Sklaverei, Güternachfrage, Arbeitsverhältnissen und utopischen Phantasien ergeben, stehen im Zentrum dieser Ausstellung. Bestückt mit Dokumenten aus brasilianischen Archiven, Aquarellen aus der Pinacoteca und Artefakten aus dem Museu Afro-Brasil in São Paulo sowie einer zeitgenössischen Video- und Textilarbeit der Künstlerin Denise Bertschi wird ein zentrales Kapitel der Schweizer Kolonial- und Verflechtungsgeschichte beleuchtet.


«Bem Vindo a Helvécia», Denise Bertschi, 2017


Radiobeitrag zur Ausstellung: Kultur aktuell
Autor: Christoph Keller.
Ausgestrahlt am 18.09.17 auf Radio SRF 2

Pressebericht Aargauer Zeitung (PDF)
Titel: In Helvécia ging nichts ohne Sklaven. Autor: Max Dohner
Erschienen am: 16. 09.2017. Verlag: AZ Zeitungen AG

Download Medienmitteilung (PDF)


Konzept: Marcelo Rezende (Direktor des Archivs der Avantgarden in Dresden)
mit Eduardo Simantob

In Zusammenarbeit mit

Mit Unterstützung von

Abbildung: Bosset de Luze, Fazenda Pombal, Colonia Leopoldina in Bahia, zwischen 1820 und 1840, Aquarell auf Papier, 36,3 x 61,1 cm, Sammlung der Pinacoteca do Estado de Sao Paulo in Brasilien, Schenkung: Fundação Estudar, 2007